Interview mit Mannschaftsarzt Dr. Sebastian Gleißner

Interview_Sebastian Gleißner

Seit der Spielzeit 2018/2019 ist Dr. Sebastian Gleißner (Gesellschafter der Orthopädischen Gemeinschaftspraxis in Neuötting und Leiter des EndoProthetik Zentrums in Burghausen) Mannschaftsarzt des SV Wacker Burghausen. „Wir sind überglücklich, dass wir Sebastian Gleißner auch in der Saison 2021/2022 als wichtigen Bestandteil des Teams rund um die Regionalliga-Mannschaft an unserer Seite haben. Mit dem Beginn der aktuellen Spielzeit ging auch die langfristig angelegte Zusammenarbeit bereits in das vierte Jahr. Ich möchte mich an dieser Stelle ausdrücklich im Namen der gesamten Fußball GmbH für den Einsatz und die Unterstützung bei Sebastian und seinem Team bedanken“, so der sportliche Leiter Karl-Heinz Fenk.

 

In einem Interview hat der Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie interessante Einblicke in seinen privaten sowie beruflichen Alltag und die Arbeit beim SV Wacker Burghausen gegeben:

Hallo Sebastian! Kannst Du Dich zunächst bitte kurz vorstellen, uns etwas über Deine Person erzählen und Deinen beruflichen Werdegang skizzieren?

„Hallo. Mein Name ist Sebastian Gleißner, ich bin 36 Jahre alt, verheiratet und habe zwei Söhne. Ich bin in Regensburg geboren und mit 4 Jahren in die Region Altötting gezogen. Zunächst wohnte ich in Burgkirchen, später in Burghausen, wo ich auch jetzt noch mit meiner Familie wohne. Seither bin ich auch Mitglied beim SV Wacker Burghausen. Studiert habe ich in Hamburg. Dort habe ich 3 Jahre lang am Traumazentrum St. Georg in der Neurochirurgie und Orthopädie gearbeitet. 2012 zog es mich zurück in die Heimat. Hier arbeitete ich sowohl unfallchirurgisch in den Kreiskliniken Altötting-Burghausen, als auch orthopädisch in der Gemeinschaftspraxis meines Vaters, die ich zu Beginn dieses Jahres übernommen habe. Parallel hierzu bin ich seit vielen Jahren einer der aktivsten Notärzte der Region.“

 

Du bist aktuell unter anderem Orthopäde und Unfallchirurg in der orthopädischen Gemeinschaftspraxis Neuötting: Was sind hierbei die Schwerpunkte der Arztpraxis und im Speziellen auch Deine Tätigkeitsfelder?

„Unsere Praxis existiert bereits seit 32 Jahren und steht seither für höchste Qualität. Dadurch, dass wir 3 Ärzte sind, decken wir fast das gesamte Spektrum der Orthopädie auf sehr hohem Niveau ab. Gerade bei uns in der ländlichen Region halte ich das für sehr wichtig. Neben unserer Praxis in Neuötting haben wir Belegarztabteilungen in Burghausen und Mühldorf. Ambulante Operationen führen wir am ‚ambulanten OP-Zentrum Altötting‘ durch. Wir haben zwar einen sehr großen Schwerpunkt in der operativen Orthopädie, aber unsere Philosophie ist es, Operationen nur dann durchzuführen, wenn es wirklich keine andere Möglichkeit gibt. Und das kommunizieren wir auch genauso mit unseren Patienten. Ich denke hierbei unterscheiden wir uns von vielen anderen Praxen. Generell behandle ich alle orthopädischen Krankheitsbilder. Eine ganz besondere Herzensangelegenheit ist für mich die Sportorthopädie. Meine operativen Schwerpunkte sind Eingriffe an Hüfte, Knie und Fuß. Spezialgebiet ist in jedem Fall der Gelenkersatz von Hüfte und Knie. Diese Operationen führe ich in sehr hoher Zahl am EndoProthetik Zentrum Burghausen durch.“

 

Wann und wo hattest Du deine ersten Berührungspunkte mit den Fachgebieten Orthopädie sowie Unfallchirurgie und was hat Dich letztendlich dazu bewegt, Deine Facharztausbildung in genau diesen Bereichen zu absolvieren?

„Ehrlich gesagt kann ich das so gar nicht beantworten. Als Sohn eines Orthopäden bin ich quasi in der Praxis aufgewachsen. Meine Wunden wurden auf dem Küchentisch genäht und die Gesprächsthemen beim Abendessen drehten sich weniger um Bundesliga-Ergebnisse, sondern mehr um die aktuellen Verletzungen der Spieler. Aber für ein Medizinstudium habe ich mich tatsächlich erst sehr spät entschieden. Mein Traumjob war eigentlich als Sportreporter zu arbeiten. Das habe ich mir herrlich vorgestellt. Reisen zu Welt-, Europameisterschaften oder Olympischen Spielen, immer am Puls des Sports. Erst nach dem Abitur und einem Praktikum im OP habe ich mich dann umentschieden. Etwas anderes als die Orthopädie wäre da aber nie in Frage gekommen.“

 

Welchen weiteren Tätigkeiten gehst Du daneben auch noch nach und wie kannst Du nach einem stressigen Arbeitstag am besten abschalten?

„Neben meiner Arbeit in der Praxis und der Leitung des EndoProthetik Zentrums mache ich immer noch den ein oder anderen Notarztdienst. Denn gerade in Burghausen sind wir diesbezüglich durch das sogenannte ‚Gesundschrumpfen der Klinik‘ sehr eng besetzt. Und die Vorstellung das kein Notarzt verfügbar wäre, wenn in meiner Familie etwas passiert, ist schrecklich. Daher will ich das auch für niemand anderen in Burghausen. Aber das allerwichtigste ist natürlich meine Familie. Gerade nach einem harten Arbeitstag gibt es nichts Schöneres als zu wissen, dass da jemand zu Hause ist der auf einen wartet und einen durch den Garten scheucht.“

 

Im Jahr 2018 hast Du außerdem das offizielle „FIFA Diploma in Football Medicine“ erfolgreich abgeschlossen. Warum hast Du Dich hierfür entschieden und welche Kerninhalte wurden hierbei gelehrt?

„Titel und Zusatzbezeichnungen sind in der Medizin meist nicht sehr aussagekräftig. Oft geht es nur darum, Zeit abzusitzen und Unterschriften zu sammeln. Wissen oder Fähigkeiten ergeben sich daraus nicht zwingend. Beim ‚FIFA Diploma‘ wird aber geballtes Wissen rund um Verletzungen im Fußball vermittelt und dann auch entsprechend abgefragt. Da habe ich durchaus noch den ein oder anderen Kniff erlernen können. Ich kann das nur jedem meiner Kollegen empfehlen.“

 

Seit 2018/2019 betreust Du auch die Regionalliga-Mannschaft des SV Wacker Burghausen. Wie ist es dazu gekommen und wie gefällt es Dir in der SVW-Familie?

„Das hat damals irgendwie perfekt gepasst. Der SV Wacker hatte ja schon immer einen ausgezeichneten Mannschaftsarzt mit Dr. Markus Braun. Aber bei schwerwiegenden Verletzungen wurden die Spieler oft weit weggeschickt. Zum damaligen Zeitpunkt gab es auch in der Region eigentlich keinen Sportorthopäden. Und das war gerade zu der Zeit, als ich intensiver in die Praxis eingestiegen bin. Da Markus und ich uns über den Notarztdienst kannten hat das Ganze dann seinen unausweichlichen Weg genommen. Und ich glaube es ist bislang eine absolute Erfolgsgeschichte. Denn unabhängig von meiner Person konnten wir auch ein tolles Physio-Team aufbauen, damit die Spieler immer top fit gehalten werden und nach Verletzungen schnell regenerieren. Bei der Diagnostik unterstützt uns die radiologische Praxis Dialog durch schnelle MRT-Slots. Und meine Kollegen in der Praxis stehen ebenso, wie ich, immer zur Verfügung wenn es einen Spieler zwickt. Du sagst es, es ist eine Familie. Und das habe ich sehr schnell gemerkt. Alle sind füreinander da und da ist es ganz logisch, dass ich auch jederzeit zur Verfügung stehe.“

 

Wie würdest Du grundsätzlich deine Aufgaben als Mannschaftsarzt beschreiben und welche Fähigkeiten werden in diesem Berufsfeld in Deinen Augen am meisten bzw. häufigsten benötigt?

„Naja für mich ist die Diagnostik und Behandlung von Sportverletzungen ja ohnehin meine tägliche Routine in der Praxis. Aber gerade bei den jungen Spielern ist gerade die Empathie sehr wichtig. Sie geben immer ihr Bestes und wissen, dass es ganz schnell vorbei sein kann mit dem Traum der Profi-Karriere. Zu viel Ehrgeiz kann da aber schnell auch mal gefährlich werden. Da sind die Gespräche mit Spielern, Trainern und Physiotherapeuten sehr wichtig. Und da bin ich auch ehrlich gesagt ziemlich beeindruckt von allen. Auch gerade im Bereich des Managements. Karl-Heinz Fenk und Andy Huber sind so nah dran an den Spielern. Kümmern sich um die Termine bei mir und sorgen persönlich dafür, dass die Therapie auch eingehalten wird. Wo gibt es sowas schon?“

 

Welche Ziele verfolgst Du mit dem Regionalliga-Team in der kommenden Saison 2021/2022?

„Ich wünsche mir, dass wir attraktiven Fußball spielen und die Fans nach der langen Pause wieder begeistern können. Denn die Unterstützung der Fans ist in meinen Augen die Grundlage für eine erfolgreiche Zukunft.“