Donnerstag, 06.09.2018
Reicht in Rosenheim die Kraft?


Können Sascha Marinkovic, Marius Duhnke und Thomas Winklbauer auch in Rosenheim wieder jubeln? Foto: Butzhammer



Drittes Spiel für Wacker innerhalb von sechs Tagen

Wenn der Zweite beim Tabellen-15. antritt, ist die Ausgangslage meist recht eindeutig, für das Regionalliga-Derby zwischen dem TSV 1860 Rosenheim und dem SV Wacker Burghausen am Freitag um 19 Uhr im Rosenheimer Jahnstadion gilt das nur bedingt, denn: Während die Gastgeber ganze sechs Tage Pause hatten, ist es für Wacker ja das dritte Spiel innerhalb von sechs Tagen, verbunden mit der großen Frage, ob die Kraft noch reicht?

Klar ist auf jeden Fall, dass sich die Sechziger nach dem 2:2 gegen Schweinfurt und dem 1:0 in Fürth auf dem aufstrebenden Ast befinden und schon deswegen die Tabellensituation als Gradmesser wenig Aussagekraft hat. Auf der anderen Seite hat Burghausens Trainer Wolfgang Schellenberg bis auf Daniel Hofstetter (Rücken) und Thorsten Nicklas (Sprunggelenk) alle Mann zur Verfügung. „Manuel Omelanowsky ist nach seiner Verletzung wieder voll da und Thomas Winklbauer hat einen großen Schritt nach vorne gemacht. Dazu kommen die starken Neuzugänge Can Coskun und Matthias Stingl. Der Konkurrenzkampf ist in den letzten Wochen sicherlich größer geworden“, freut sich der Wacker-Coach, der sich nicht in die Karten blicken lässt, wer in Rosenheim auflaufen wird: „Eine schwierige Entscheidung. Die Jungs haben in den letzten drei Spielen allesamt überzeugt.“ Taktische Überlegungen und letzte Trainingseindrücke dürften die Entscheidung des Trainers wohl entscheidend beeinflussen.

Rosenheim nicht in Bestbesetzung

Etwas weniger Auswahlmöglichkeiten haben die Rosenheimer Trainer Ogi Zaric und Thomas Kasparetti: Neben den Langzeitverletzten Fatih Eminoglu und Ilija Tomic ist Wirbelwind Max Mayerl wegen einer Verletzung am Mittelfinger noch nicht einsatzfähig. Auch Mike Neumeier, der den Siegtreffer in Fürth erzielt hat, steht wegen einer Platzwunde am Auge wohl nicht zur Verfügung. Korbinian Linner (Kapselverletzung) und Markus Einsiedler (Bänderdehnung) haben sich während der Woche im Training verletzt, da muss man abwarten, wie schlimm die Blessuren sind. Leopold Krüger ist hingegen nach einer Erkältung ebenso wieder dabei wie Omer Jahic, der seine dreiwöchige Sperre abgesessen hat. Beim 3:2-Sieg im Vorbereitungsspiel zwischen Rosenheim und Burghausen war es jener Jahic, der gleich doppelt getroffen hat.

„Ein Spiel wie jedes andere“, kommentiert Schellenberg den Umstand, dass er an seine alte Wirkungsstätte zurückkehrt, gewohnt sachlich, den Gegner hat der Coach beim Auftaktsieg gegen Garching und bei der Niederlage in Buchbach zwei Mal persönlich in Augenschein genommen, weiß aber, dass die Sechziger in den letzten Wochen ihr Spielsystem etwas umgestellt haben: „Rosenheim hat immer sehr guten Fußball gezeigt, aber eben nicht genug Punkte gemacht. Jetzt spielt die Mannschaft deutlich ergebnisorientierter.“

Zaric: Burghausen ist Favorit

Zaric hebt trotz der jüngsten Erfolge Burghausen aufs Favoritenschild, kündigt aber an: „Wir werden uns akribisch auf die anspruchsvolle Aufgabe vorbereiten und vor allem im taktischen Bereich einiges einstudieren Wir haben uns mittlerweile gefestigt, entwickeln uns weiter sehr positiv und wollen unsere positive Wies’n-Bilanz unbedingt weiter ausbauen.“ Bekanntlich sind die Rosenheimer zur Herbstfestzeit immer besonders stark, beim Mannschaftsabend am letzten Wies’n-Wochenende wollen die roten Sechziger natürlich am liebsten den zweiten Heimdreier der Saison feiern. Aber da haben die Jungs von Schellenberg mit dem Ex-Rosenheimer Sascha Marinkovic ja auch noch ein Wörtchen mitzureden.

Bilanz

Die Historie des Derbys zwischen Rosenheim und Wacker reicht bis in die Sechziger-Jahre zurück, als sich beide Mannschaft in der Landesliga duellierten, die ja damals nach den beiden Bundesligen und der Bayernliga die vierthöchste Klasse war. Bei den Rosenheimern stürmte Anfang der Siebziger übrigens ein junger Mann namens Hans Steindl, der als Referendar unter anderem in Rosenheim tätig war. Für welchen Verein das Herz des Burghauser Bürgermeisters heute schlägt, ist klar. 15 Siege des SV Wacker gab es all den Jahren, zwölf Mal ging Rosenheim als Sieger vom Platz, während in neun Vergleichen kein Gewinner ermittelt werden konnte. In der Regionalliga Bayern standen sich beide Mannschaften vier Mal gegenüber, hier hat Rosenheim mit zwei Siegen und einem Unentschieden die Nase vorne.

Personal

Kapitän Hofstetter und Nicklas sind trotz der hohen Belastung die beiden einzigen Ausfälle. „Bei Thorsten würde es unter Umständen mit Tape vielleicht gehen, aber da wollen wir kein Risiko eingehen“, so Schellenberg. Ein besonderes Spiel dürfte es für Robert Mayer werden, der ja viele Jahre im Kasten der Rosenheimer stand und letztes Jahr bei den Sechzigern unter Tobias Strobl noch Co-Trainer war. Die Dienste von Mayer werden dann wohl ab nächster Woche nicht mehr gebraucht, da Nico Merz nach seiner Handverletzung den Job als Ersatzkeeper übernehmen kann.

Kader

Tor: 26 Flückiger, 39 Mayer - Abwehr: 16 Pöllner, 19 Hingerl, 20 Kappacher, 22 Coscun, 30 Stingl, 31 Schulz, 34 Buchner - Mittelfeld und Angriff: 4 Aigner, 6 Bachschmid, 7 Winklbauer, 8 Subasic, 9 Duhnke, 10 Marinkovic, 17 Omelanowsky, 18 Wächter, 25 Richter.

Schiedsrichterin

Angelika Söder (Ochenbruck)

Ausblick

Nach der Englischen Woche und dem unglücklichen Aus im Toto-Pokal kann sich Wacker in den kommenden Wochen ganz auf die Aufgaben in der Liga konzentrieren. Weiter geht es am Freitag in einer Woche um 19 Uhr mit dem Heimspiel gegen den FC Memmingen. Die Allgäuer, die in der vergangenen Spielzeit fast abgestiegen wären, haben einen sehr guten Start erwischt und rangieren derzeit auf Platz fünf.